Macher, Visionäre, Forscher und Künstler

- Wer "Reli-Radio-TV" möglich macht - *

 

 

"Der Visionär"

Initiator der Beschaffung des Streamingservers. Organisator des Real-Streaming, Generator ständig neuer Multimediaideen. Erkundet innovative Wege zur Verbesserung der Ton- und Bildqualität der Übertragungen. "Deichselt" das Real-Streaming der Facheinheit Religion sowie anderer Abteilungen und Fakultäten der Universität Bayreuth. Achtet auf die großen Zusammenhänge und erkundet die faktische Durchführbarkeit der dabei entwickelten technischen Ideen.

     
     

"Der Künstler"

Manager, Expandeur und "Chef" des "Multimedia-Raums".** Bildspezialist, Verwandler und Umwandler aller möglichen und unmöglichen Bild- und Videoformate. Erstellt mit fotographisch geschultem Auge kunstvolle CD-Aufdrucke und Videofassungen der ursprünglichen Live-Übertragungen der Ringvorlesung der Facheinheit Religion mit der jeweils benötigten Bildqualität. Führt entsprechende multimediale Einzelschulungen für Mitarbeiter der Universität durch.

 
     
     
 

"Der Zauberer"

Sitzt in seinem meist unbeleuchteten Raum, der den mittelalterlichen Hexenküchen nicht unähnlich erscheint, vollgestellt mit geheimnisvollen Gerätschaften (z.B. einem SGI-Rechner mit Irix-Betriebssystem). Herr und Meister des weltweit erreichbaren physischen Webservers der Universität. Garant der Verfügbarkeit von gegenwärtig 2,3 Terabyte, die den größten Anteil der Datenschätze der Universität im Binärformat ausmachen und jede Nacht neu gesichert werden müssen. Weiht auch Theologen bei Bedarf in sein fulminates informationstechnologisches Fachwissen ohne Murren ein. Überwacht jeden Donnerstag mit kritischem, aber gütigem Auge das Live-Streaming der Facheinheit Religion.

     
     

"Der Architekt"

Denkt in großen Zeiträumen. Bereitet die Universität Bayreuth auf das sogenannte "Internet 2" und Gigabit-Kapazitäten vor. Plant und überwacht die Lichtwellenleiterverlegung und die Vernetzung des Campus. Stellt sicher, daß der Wechsel von Kupfer- zu Glasfaserkabeln auf unseren Sendewegen von den Hörsälen zum Rechenzentrum auch tatsächlich funktioniert.

 
     

 

-------------------------------------------------------------------------

Anmerkungen

* Zur Verteilung der Aufgaben an einem Rechenzentrum: Wer sich mit der Komplexität eines Universitäts-Rechenzentrums auch nur oberflächlich vertraut zu machen versucht hat, weiß natürlich, daß jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter mit vielfältigeren Aufgaben betraut ist als das in diesen Kurzporträts dargestellt ist. Tätigkeiten, wie z.B. "Webmaster", die Außenstehenden als eine einzige Aufgabe erscheinen mögen, werden gewöhnlich von einem ganzen Team verantwortet. Die mit der Funktion "Webmaster", ein Begriff der häufig unten auf Internetseiten mit E-Mail-Adresse versehen erscheint, verbundenen Spezialaufgaben sind auf viele Schultern verteilt. Ganz verschiedene Personen kümmern sich um das Design der Webseiten, die Administration der FTP-Server, Name Server, physikalischen Webserver, die Server-Software, die Installation von Updates, die Datensicherung sowie die Überwachung der Router, Switches usw.Vor allem verhält es sich in einem modernen Rechenzentrum nicht wie in einem Fernsehkrimi. Im Krimi widmen sich die Helden immer nur der Aufgabe, die gerade das Thema des Films ausmacht, etwas das sicher auch in keiner Weise der Realität von Kriminalbeamten entspricht. Ebenso sind die Mitarbeiter eines Rechenzentrums gleichzeitig für viele ganz verschiedene Aufgaben verantwortlich von denen jede einzelne immer besonders dringend erscheint und eigentlich schon "gestern" hätte erledigt sein sollen. Vor allem besteht - ähnlich wie in den Aufgabenfeldern der Polizei - ein großer Teil der Arbeit aus dem Versuch, verärgerte und frustrierte Bürger (in unserem Fall meist PC-Nutzer) wieder glücklich bzw. einigermaßen zufrieden zu machen in Dingen, von denen kein Mensch weiß (jedenfalls die mit der Materie am besten Vertrauten wissen es häufig nicht; Amateure dagegen sind selten um einen passenden Rat verlegen), weshalb sie eigentlich nicht funktionieren, wo sie doch laut Soft- und Hardware-Herstellern ausgezeichnet funktionieren müßten und zwar noch wesentlich besser, schneller und effektiver als das Vorgängerprodukt der gleichen Firma, wie ja die eigene blumige Werbung in vertrauenheischenden Worten und Bildern ausdrücklich verheißt.

** Zur Idee des Ausbaus des Multimediaraums zu einem interdisziplinären "Multimedia-Forschungslabor": Es wäre eine tolle Sache, wenn der Multimediaraum auf lange Sicht Ausgangspunkt eines interdisziplinären "Multimedia-Forschungslabors" werden könnte. Meines Wissens gibt es an der hiesigen Universität kein "Multimedia-Labor", also eine institutionalisierte wissenschaftliche Einrichtung, deren Auftrag in der expliziten Multimediaforschung besteht. Im Rahmen der faktischen Tätigkeit ist jedoch das, was um das Reli-Radio-TV-Projekt herum geschieht, analogiefähig zu dem, was Annedore Prengel in Erziehung und Erziehungswissenschaft als "Praxisforschung" bezeichnet, nur daß wir es im Kontext der sog. Neuen Medien durchführen [Annedore Prengel, Perspektivität anerkennen - Zur Bedeutung der Praxisforschung in Erziehung und Erziehungswissenschaft, in: Barbara Friebertshäuser u. Annedore Prengel (Hrsg.), Handbuch Qualitative Forschungsmethoden in der Erziehungswissenschaft, Weinheim u. München 1997, S. 599-627]. "Während in wissenschaftlicher Forschung externe Erziehungswissenschaftler aus Positionen mit (relativer) Außenperspektive Wissen über Vorgänge in pädagogicshen Feldern sammeln, untersuchen in der Praxisforschung Personen, die selbst Teil des Feldes sind, aus Positionen mit Innenperspektive Elemente ihrer konkreten Arbeitssituation" (Prengel 1997, S. 600). Praxisforschung besteht nach Prengel in Erkundungsleistungen (Heuristik) im wissenschaftlich reflektierten Praxisvollzug von Lehrerinnen und Lehrern. Prengel bezieht sich hierbei auf das von Fritz Schütze entwickelte Konzept einer "ethnographischen Erkenntnishaltung" im Rahmen des Studiums der Sozialen Arbeit an der Gesamthochschule Kassel. Schütze spricht von einer in das sozialarbeiterische Berufshandeln "eingelassenen Erkundungs- und Analysetätigkeit" (Prengel 1997, S. 600 mit Bezug auf den Aufsatz Schützes "Ethnographie und sozialwissenschaftliche Methoden der Feldforschung. Eine mögliche methodische Orientierung der Ausbildung und Praxis der Sozialen Arbeit" von 1994.) Dahinter steht die Prämisse, daß die Alltagspraxis professionellen Handelns in pädagogischen Feldern Erkenntnispotentiale generiert, die der Forschung im Kontext des normalen Hochschulalltags nicht zugänglich sind. "Das Wissen über die je spezifischen, je aktuellen Voraussetzungen und die täglichen Wirkungen pädagogischen Handelns am konkreten Ort kann nicht anders, als durch Praxisforschung gewonnen werden" (Kursiv wie im Original, Prengel 1997, S. 601). Genau das gleiche, das für erziehungswissenschaftliche Handlungsfelder gilt, ist analog möglich, wenn Wissenschaftler, die in die professionellen Alltagsvollzüge eines Rechenzentrums eingebunden sind, ihr Erkenntnisinteresse auf "Praxisforschung" richten. Dies setzt jedoch ein Forschungsverständnis, vor allem hinsichtlich der Funktion des wissenschaftlichen Experiments voraus, das in den sozial- und erziehungswissenschaftlichen Forschungstraditionen weitgehend verschüttet ist, in den Naturwissenschaften dagegen immer Teil der lebendigen Forschungspraxis blieb. [Dabei muß jedoch unterschieden werden zwischen der lebendigen naturwissenschaftlichen Forschungspraxis und ihrer davon unterschiedenen "papierenen Gestalt". (H. Otto Sibum mit Bezuga auf Ludwik (sic.) Fleck; H. Otto Sibum, Die Sprache der Instrumente, in: Michael Heidelberger und Friedrich Steinle (Hrsg.), Experimental Essays - Versuche zum Experiment, 1. Aufl., Baden-Baden 1998, S. 141-156, Zitat S. 141]. Ich meine hiermit das sogenannte heuristische oder in den Terminologie Ernst Machs das "qualitative Experiment". (Ernst Mach, Erkenntnis und Irrtum. Skizzen zur Psychologie der Forschung, 5. Aufl., Darmstadt 1980. Siehe hierzu besonders Gerhard Kleining, Das qualitative Experiment, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 38. Jg., 1986, S. 724-750. Kleining bezieht sich explizit auf Mach. Zum heuristischen oder auch explorativen Experiment siehe auch Friedrich Steinle, Exploratives vs. theoriebestimmtes Experimentieren: Ampères erste Arbeiten zum Elektromagnetismus, in: Michael Heidelberger und Friedrich Steinle (Hrsg.), Experimental Essays - Versuche zum Experiment, 1. Aufl., Baden-Baden 1998, S. 272-297).

Ich möchte das Konzept der Praxisforschung an einem Beispiel aus der Erforschung der Wissenschaftsgeschichte des naturwissenschaftlichen Experimentierens erläutern. H. Otto Sibum zeigt im Anschluß an die These Polanyis über die Rolle des "impliziten Wissens" in den Naturwissenschaften am Beispiel von James Prescott Joule, daß die Aufzeichnungen Joules (die "papierene Gestalt" gegenüber der lebendigen naturwissenschaftlichen Praxis) über seine Wärmeexperimente eine Reproduktion sein Ergebnisse nicht zulassen. Die entscheidende Schlußfolgerung lautet nun jedoch nicht, daß Joule betrogen oder getrickst hätte, oder gar daß seine Ergebnisse keine Gültigkeit hätten. Vielmehr zeigen die Rekonstruktionsversuche des historischen Experiments, daß Joule über ein enormes Erfahrungswissen verfügte, mit dem er die Defizite seiner Experimentalbedingungen ausbalancieren und kompensieren konnte. Joule führte seine Wärmeexperimente nach einem achtstündigen Arbeitstag in der Brauerei seines Vaters durch. Joule besaß außergewöhnliche Erfahrungen in der Temperaturmessung, die auf einer jahrhundertealten Brautradition beruhten. Sie waren "Teil eines handwerklich orientierten Wissens über die Natur der Wärme, das von den traditionellen wissenschaftlichen Auffassungen seiner Zeit abwich. Doch nur der aktive Austausch zwischen diesen scheinbar unverbundenen Orten des Wissens (Brauwesen und naturwissenschaftliche scientific community, E.N.) ermöglichte dieses Experiment, welches bedeutenden Einfluß auf die Formulierung der Thermodynamik haben sollte." (H. Otto Sibum, Die Sprache der Instrumente, in: Michael Heidelberger und Friedrich Steinle (Hrsg.), Experimental Essays - Versuche zum Experiment, 1. Aufl., Baden-Baden 1998, S. 141-156, Zitat S. 154).

Meine These ist, daß bei der Erkundung des didaktischen und pädagogischen Einsatzes neuer Medien im institutionellen Kontext von Schule, Kirchengemeinde und Hochschule, das Studium der einschlägigen Literatur nicht ausreichend ist. Es müssen Feldversuche durchgeführt werden. Bei solchen Feldversuchen ist "handwerkliches" Wissen auf allen beteiligten Gebieten (Audio- und Videoproduktion, Webseitenerstellung, Netzwerk- und Serververhalten, Softwareverhalten aber auch pädagogisches und kommunikationshteoretisches und wahrnehmungspsychologisches Wissen) nötig, das in wissenschaftliche Texte aufgrund seiner Heterogenität und mangelnden Systematik im Grunde gar nicht transformiert werden kann. Natürlich kann dieses Wissen in Ausschnitten systematisiert und in Texte transformiert werden. Jedoch in seiner Fülle, in der es im professionellen Alltag eines Rechenzentrums und einer Schule oder Hochschule benötigt wird, kann es faktisch nicht synchron präsentiert werden. Ich will das an einem einfachen Beispiel erläutern. Die in der Schule und im Bildungswesen überhaupt wie auch in der Wirtschaft dominaten Betriebssystemvarianten (meist handelt es sich um verschiedene Windows-Betriebssystem-Generationen) lösen einander so schnell ab, daß eine laufende Anpassung aller jener Programme nötig ist, die sich etwa in der Audio- und Videoproduktion bereits hervorragend bewährt haben. Wenn beim Umstieg auf Windows XP bestimmte Funktionen, die unter Windows 2000 wie geschmiert liefen, plötzlich nicht mehr funktionieren, müssen Lösungen erkundet werden, die die Weiterarbeit im Multimediabereich ermöglichen. Die Lösungen sind keineswegs linear hervorsehbar und produzierbar. Man muß sich vor Augen halten, daß eine Forschung, die sich die didaktische und pädagogische (religionspädagogische) Erkundung des Potentials neuer Medien auf die Fahnen geschrieben hat, nur über sehr beschränkte finanzielle Ressourcen verfügt und darüber hinaus unter den gegenwärtigen Bedingungen nur in ausgewählten Zeitfenstern auf die personellen Ressourcen eines Universitäts-Rechenzentrums zurückgreifen kann. Das heißt, im laufenden Alltagsbetrieb eines Rechenzentrums müssen technische Möglichkeiten erkundet werden, die am besten durch die Synergieeffekte professionellen Alltagswissens vor Ort generiert werden. Sprich: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Rechenzentrums können bei auftretenden neuen Fragen oder bei der Suche nach Problemlösungen auf informellem (und deshalb schnellem Wege) auf das laufend generierte aktualisierte Wissen ihrer Kollegen zurückgreifen. In der face-to-face Kommunikation werden dabei im Idealfall sogar neue Fragen gestellt oder auch zufällig Antworten gefunden, deren zugehörige Fragen noch gar nicht formuliert wurden. Im ursprünglich unsystematischen Kontext informeller Gespräche werden Gesichtspunkte entdeckt (in Verbindung mit dem Experimentieren mit alter oder neuer Hard- und Software), die für die eine oder andere Problemstellung als relevant angesehen werden können. Auf solch prozedurales Wissen ist der Didaktiker, der sich um die Erkundung didaktisch relevanter Anwendungen in Schule und Hochschule bemüht, laufend angewiesen, kann er doch schlecht ein eigenes "Multimedia-Rechenzentrum" aufbauen. Ein solches "Multimedia-Rechenzentrum" wäre obendrein auf die ganze Wissensbreite eines Standard-Rechenzentrums angewiesen, denn die Fragen und Probleme die im Bereich der Erkundung des Einsatzes neuer Medien auftreten, können nicht vom allgemeinen Wissensbestand der Informationstechnologie isoliert betrachtet werden. Also ist und bleibt der ideale Ort für solche Versuche das herkömmliche "Standard-Rechenzentrum".

Da ein modernes Rechenzentrum in erster Linie als Dienstleistungsbetrieb und nur in zweiter Linie mit bestimmten Forschungsaufgaben betraut ist, arbeiten seine Mitarbeiter über weite Strecken an Lösungen zur faktischen Umsetzung dessen, was die wissenschaftliche Informationstheorie oder der definierte Funktionsumfang von Hard- oder Softwarekomponenten auf der Packungsbeilage verheißen. Gewöhnlich funktionieren die in der Theorie gelösten Probleme in der Praxis nicht ohne einen relativ hohen zusätzlichen Einsatz des Erfindungsreichtums derer, die die scheinbar biedere Aufgabe zugeteilt bekommen haben, zum "Laufen" zu bekommen, was als neuester Renner auf dem Markt ist.

Die Rechenzentrumsmitarbeiter sind damit in einer ähnlichen Position, in der sich die Lehrerin und der Lehrer in der Schule befinden. Die pädagogische und didaktische Theorie verheißt vieles, das sich im Kontakt mit der sozialen und institutionellen Wirklichkeit der Schule in garantiert kürzesten Zeiträumen in Luft aufzulösen droht oder schlichtweg an der je konkreten Schule mit ihren je konkreten Schülern und Lehrern (und ihrer gewöhnlich unzureichenden Computer, Netzwerk- und Internetausstattung) nicht zu verwirklichen ist. Meine Beobachtung im pädagogischen Alltag jener Schulen, an denen ich entweder in der Vergangenheit unterrichtet habe oder noch unterrichte, sowie in meiner langjährigen Erfahrung in der Lehrerfortbildung ist, daß der Grad der Desillusionierung eines Teils der Lehrerschaft meinem Empfinden nach ziemlich bedrückend ist. Will man in dieser Situation Mut machen, Neues zu beginnen - wie etwa die kreative didaktische und pädagogische Arbeit mit sog. neuen Medien - dann muß man mit Konzepten aufwarten, die den Praxistest bestehen. Den Praxistest bestehen meiner Meinung nach am ehesten Konzepte, die in der Praxis der Schulalltags entwickelt wurden. Im IT-Bereich muß die Handhabbarkeit der Ideen und Geräte am Mann/an der Frau und am Rechner demonstriert werden, bevor interessierte Lehrer die Konzepte im eigenen Unterricht erproben können.

Analoges gilt meines Erachtens für den Einsatz neuer Medien in der Hochschullehre. Natürlich muß beispielsweise die ausgewählte Technologie sozusagen labormäßig ("Multimedia-Forschungs-Labor"!) erprobt werden. Die didaktische Nagelprobe wird jedoch erst bei der Erkundung in tatsächlichen Lehrkontexten - in "hochschuldidaktischen Feldversuchen" - möglich wie wir sie innerhalb der Facheinheit Religion in Kooperation mit dem Rechenzentrum seit dem Sommersemster 2001 kontinuierlich durchführen. (Aktuelles Beispiel ist unsere Live-Übertragung der Ringvorlesung "Religion am Donnerstag" ins Internet. Im Sommersemester 2002 ist darüber hinaus ein Feldversuch der Übertragung der Ringvorlesung "Religion in der Musik des 20. Jahrhunderts" zwischen zwei Hochschulstandorten in Planung. Im Rahmen unserer explorativen Versuche beschäftigen uns folgende Fragen: Wie groß ist der technische, zeitliche und finanzielle Aufwand einer solchen Live-Übertragung? Wie läßt sich der Zeit- und Personalaufwand minimieren? Welche Qualitätsstufe der Video- und Audioübertragung ist im Rahmen des Internets akzeptabel, wenn man Übertragungen realisiert, die mit der durchschnittlichen Internetanbindung eines Privathaushalts empfangen werden können (Bandbreiten zwischen 28 kbps und 56 kbps für analoge Modems sowie die digitalen ISDN- und DSL-Verbindungen). Eckdaten zu diesen Fragen können zwar aus den einschlägigen Handbüchern gewonnen werden, aber diese reichen bei weitem nicht aus, weil viele technische, wahrnehmungspsychologische und kulturell präformierte Parameter eine Rolle spielen, die erst im Vollzug von Übertragung und Empfang erkennbar werden bzw. erst dann ins Blickfeld rücken. Eine simple jedoch fundamentale Frage in der hochschuldidaktischen Nutzung ist besipielsweise: Werden Studierende, die an einer Live-Übertragung auf der Basis der Internettechnologie in zwei verschiedenen Hörsälen an zwei verschiedenen Hochschulstandorten teilnehmen, am Ende der Vorlesung auch tatsächlich Fragen an den Dozenten richten? Wenn das nur sehr zögernd oder gar nicht der Fall sein sollte: Welches soziale Arrangement ermutigt zu Kommunikationsprozessen, die von allen Beteiligten als ausreichend befriedigend empfunden werden? Hierfür müssen verschiedene soziale und technische Szenarien entworfen werden, die nur in der realen Hörsaalkommunikation experimentell ausgelotet werden können.

Um diese sich überlappenden, jedoch heterogenen wissenschaftlichen Disziplinen angehörenden Fragen auf den Weg bringen zu können, ist das Zusammenspiel aller relevaten Institutionen und Fächer einer Universität nötig. Für diesen Zweck müssen jedoch auch die nötigen fachwissenschaftlichen, personellen und finanziellen Kapazitäten genehmigt und bereitgestellt werden. Im laufenden Projekt am dringensten erscheint die Verfügbarkeit von Arbeitszeit einzelner Mitarbeiter des Rechenzentrums. (Technische Geräte sind immer wichtig, aber meines Erachtens der Manpower nachgeordnet.) Verwirklicht werden könnten die skizzierten Aufgaben in einem "Multimedia-Forschungs-Labor", das mehr ist als ein separierter "Multimediaraum" im Rechenzentrum der Hochschule, der mit den einschlägigen technischen Geräten ausgestattet ist. Es handelt sich vielmehr um die Idee eines sozialen, instituionellen und fachwissenschaftlichen "Raumes", in dem alle für die Nutzung neuer Medien in Schule und Hochschule relevanten Parameter forschend erkundet und überprüft werden können.

Die hier vorgestellte Idee eines "Multimedia-Forschungs-Labors" ist nicht am grünen Tisch entstanden, vielmehr handelt es sich um eine Überlegung, die sich aufgrund der im Umfeld des Multimediaraums des Rechenzentrums der Universität Bayreuth stattfindenden Kooperation zwischen der Facheinheit Religion und den am Rechenzentrum angestellten Wissenschaftlern nahelegt.

 

25. Nov. 01, E.N.

- Startseite